Ausgerechnet Pakistan hat die Waffenruhe zwischen den USA und den „iranischen Brüdern“ im Iran, so Premierminister Sharif, vermittelt, mit China im Hintergrund, das darauf drängte.
China bezieht 80 % seines Öls aus dem Iran und ist dessen wichtigster Handelspartner. Es verurteilte die USA und Israel für die Blockade in der Straße von Hormus und sieht sich als globaler Friedensstifter.
Auch Trump sprach von einem „großen Tag für den Weltfrieden“. Er will demnächst Xi persönlich treffen. China und USA werden weiterhin die mit Abstand größte weltpolitische Rolle spielen, auch und gerade für den Weltfrieden.
Die Verhandlungen für einen Frieden sollen in Islamabad stattfinden. Der Ort allein schon zeigt weltpolitische Verschiebungen an. Auf höchster Ebene sollen der amerikanische Vizepräsident Vance und der momentan starke Mann in der iranischen Führung Ghabafi miteinander sprechen, die Welten auseinanderliegen.
Es steht viel auf dem Spiel, auf „Spielchen“ wollen sich die USA jedoch nicht einlassen.
Und für Vance persönlich steht ebenfalls viel auf dem Spiel : er kann nur gewinnen oder scheitern.
Er hat Vorgaben von Trump, mit dem er ständig telefoniert.
Worauf werden die Amerikaner, die noch 50.000 Soldaten in der Region haben, beharren: Verbot der Urananreicherung, Öffnung der Seeblockade ohne Gebühren?
Die Waffenruhe ist fragil, die Meerenge ist noch nicht offen und für alle sicher passierbar. Die Iraner wollen den israelischen Krieg im Libanon als Bedingung miteinbeziehen. Das lehnen sowohl Israel wie die Amerikaner bislang ab.
Es ist verständlich, dass Israel die Themen Iran und Libanon auseinanderhalten will. Alle sollten dies tun. Die Hisbollah ist eine illegale Miliz, welche die staatliche Souveränität des Libanon und das Gewaltmonopol von dessen Regierung zersetzt. Es ist nachvollziehbar, dass Israel darauf insistiert, dass die libanesische Armee das gesamte Staatsgebiet kontrollieren soll.
Auch zwischen Israel und dem Libanon sind Verhandlungen angekündigt, während die Kämpfe weitergehen. Krieg und Verhandlungen greifen ineinander.
Die schnelle Presse spricht schon jetzt von „beinahe aussichtslosen Verhandlungen“ in Islamabad (Spiegel, 11. April).
Die pakistanische Regierung in der Vermittlerrolle hat bereits zu Beginn der Verhandlungen „Vertrauen verloren“(Spiegel,11. April). Ihr Verteidigungsminister Asif hat auf der Plattform X Israel als „Fluch für die Menschheit“ bezeichnet.
Auch von den schwachen europäischen Regierungschefs, den ‚Staatsraison‘-Partnern, der UNO und EU ist vor allem Israel in der Kritik wegen seiner Offensive gegen die schiitische Hisbollah im Südlibanon, die noch weit stärker ist als gedacht.
Sie gehörte von Anfang an zum iranischen Plan, Israel in die mörderische Zange zu nehmen.
Irak, Iran und Pakistan
Ebenso wie der Irak und der Iran ist die islamische Republik Pakistan, der große Rivale von Indien, ein weitgehend unbekanntes großes Land mit einer Bevölkerung von über 250 Millionen, der zweitgrößten muslimischen Bevölkerung in einem Land auf der Erde.
Der Islam ist Staatsreligion.
Es ist nicht lange her, da war die Angst groß, dass dort Atombomben in die Hände von Islamisten geraten im Streit zwischen Militärregierung und terroristischen Gruppierungen, die immer wieder schwere Anschläge verüben. Was ist Pakistan für ein politisches System?
Eine Militärdiktatur? Was für eine? Der Feldmarschall Munir, Pakistans Militärchef, gehört jedenfalls zu den starken Männern, die Trump imponieren. Er hat in Saudi-Arabien, wo er stationiert war, den Koran auswendig gelernt (FAZ, 8. April, S.8).
Das Militär ist die entscheidende ordnende Kraft in einem Land mit formal demokratischen Elementen wie Parlament und zwei Kammern.
Wahlen finden statt, Parteien gibt es. Öffentlichkeit, Justiz, Gesellschaft und Wirtschaft sind jedoch durch das Militär kontrolliert.
Auch der politisch gestaltende Premierminister ist von der Gunst des Militärs abhängig, das gegen 20% des Staatshaushalts beansprucht, eine der größten Anteile in der Welt.
Mehr als 10.000 Sicherheitskräfte schützen den Verhandlungsort,
wo ein langes und schwieriges Tauziehen stattfinden wird. Das Regierungsviertel ist abgeriegelt. Die iranischen Unterhändler können sich sicher fühlen.
Die geopolitische Lage Pakistans ist wichtig, interessant und besonders schwierig, denn es grenzt sowohl an Afghanistan wie Iran sowie im Osten an Indien und im Norden an China.
Die Grenzregion Kashmir ist militärisch umstritten und hat 1947 und 1965 zu Kriegen mit Indien geführt. Das große Land, von dem sich Bangladesh 1971 abgespalten hat, ist voller gewalttätiger Konflikte und großer Naturkatastrophen, Erdbeben und riesiger Überschwemmungen.
Die Pakistani wissen, wovon sie reden, wenn sie zwei große selbstbewusste Delegationen vermitteln. Der Premierminister Sharif empfängt am 11. April die Delegationsführer zunächst separat.
Allein schon der Beginn dieser Verhandlungen, in den Straßen als Islamabad Talks plakatiert, ist für Pakistan ein großer diplomatischer Erfolg und bringt das Land zurück auf die Weltbühne.
Vance und Ghalibaf
Vance wird von Witkoff und Kushner, Trumps Sonderbotschaftern, die schon Erfahrungen haben mit Verhandlungen mit dem Iran, begleitet. Die ganze Delegation umfasst 100 Personen.
Beim iranischen Parlamentspräsidenten Ghalibaf ist Außenminister Araghachi dabei, der schon die Verhandlungen in Genf führte. Die Delegation umfasst 70 Personen. Wie wird nun verhandelt?
Das ist eine Wissenschaft für sich:
Aus systematischen Gründen werden diese Friedensverhandlungen schwierig, für manche sogar, von außen gesprochen, schon von vornherein aussichtslos und zum Scheitern verurteilt.
Das liegt daran, dass es im Unterschied zum verhandlungsdemokratischen Alltag, der bei uns politikwissenschaftlich unterschätzt wird, nicht nur um den Ausgleich verschiedener Interessen geht.
Das heißt: Politik organisierter Interessen, Interessenvermittlung, Interessenausgleich.
Folglich: Verhandlungsdemokratie in Gestalt des historischen liberalen Neokorporatismus und der Konkordanz im Rahmen einer differenzierten und pluralistischen modernen Gesellschaft.
Bei den Islamabad Talks treffen dagegen Feinde aufeinander, deren Interessen konträr sind, weil es sowohl wirtschaftlich (Ölpreis, Börsen, Weltwirtschaft) als auch politisch (Hormus, Atomprogramm, Truppenabzug) um existentielle Interessen geht.
Der Begriff des Interesses ist nicht einfach, der politische Existentialismus schwierig.
Dabei gibt es auf beiden Seiten harte rote Linien, obwohl prinzipiell auch abgestuft pragmatische Lösungen, die überprüfbar sind, im Bereich des Möglichen liegen. Insofern mag es ein Verhandlungsfehler sein, wenn gleich die Verhandlungsspitzen als Staatsspitzen aufeinandertreffen: Vance und Ghalibaf.
Auf iranischer Seite ist weiterhin der Außenminister Araghchi dabei, der schon in Genf das Atomprogramm verhandelte. Bereits 2015 war er Chefunterhändler, seit 2024 ist er Außenminister. Er spricht vor den Verhandlungen von „größtem Misstrauen“.
Worauf richtet es sich?
Im Grunde ist man inhaltlich nicht weiter als in Genf! Trotz höchsten Kosten einer Preiserhöhungsstrategie mit bisher noch nie gehörten Drohworten des Krieges dazwischen.
Die Atombombe ist zum Überlebensgaranten gefährlich bedrohlicher Regime (Iran, Russland, Nordkorea…) geworden.
Neben dem fehlenden personalen Vertrauen der Verhandlungspartner und ihrem geringen Handlungsspielraum (Vance verhandelt mit Vorgaben von Trump) kommt die meist unterschätzte Dimension der Zeit als Druck hinzu. Die Iraner haben mehr Zeit als Trump, solange sie den Hebel der Straße von Hormus in den Händen halten können.
12. April
Am 12. April erfahren wir, dass die Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran nach über 20 Stunden Gesprächen erfolglos abgebrochen worden sind.
Gescheitert, aber noch nicht alle Türen sind zugeschlagen.
Vance lobt die seit langem erstmalige Intensität der direkten Gespräche unter pakistanischer Vermittlung als „bedeutende Diskussionen“.
Die Iraner seien jedoch nicht auf die amerikanischen Bedingungen eingegangen.
Teheran weist diese jedoch als “ unzumutbare Forderungen“ zurück.
Die Verhandlungsergebnisse, die nicht klar und eindeutig sind, werden weiter diskutiert werden müssen. Überraschend ist das nicht.
Überraschend vielmehr war, dass es diese Gespräche überhaupt gab, nach jahrzehntelangem Unterbruch. Die Schweiz hatte ja die USA diplomatisch bisher gegenüber dem Iran vertreten.
Dass die Islamabad Talks allerdings so schnell beendet worden sind, ist wiederum eine Überraschung, zumal offen bleibt, was das „letzte beste Angebot“ von Vance vor der Abreise war.
Die Anspannung auf allen Seiten ist weiterhin groß.
Trump äußert, ob Einigung oder nicht, mache „keinen Unterschied“. Er würde jetzt mit Minenräumern die Straße von Hormus säubern. Den Krieg habe man „militärisch sowieso gewonnen.“ Allein Israel warf 18.000 Bomben auf den Iran ab.
Die Revolutionsgarden widersprechen.
Pakistan pocht auf die Einhaltung der Waffenruhe.
Es will selber nicht an der Seite von Saudi-Arabien in den Krieg hineingezogen werden, mit dem es seit 2025 ein Verteidigungsabkommen verbindet.
Die weltpolitische Lage ist gefährlich geworden wie noch nie seit den Höhepunkten im Kalten Krieg und brennt an verschiedenen Enden, auch und vor allem außerhalb Europas, das zum Zaungast des Weltgeschehens geworden ist.
Der Irankrieg ist auch „unser Krieg.“
Wie wir uns daran beteiligen können, ist wieder eine andere Frage, sicher nicht mit realitätsfremden Kommentaren und großspurigen Ankündigungen, die ohnehin nicht eingehalten werden.
Der Iran will weiterhin nuklear aufrüsten und bedroht mit seinen Raketen die gesamte Region.
Die beanspruchten Hoheitsrechte über die Straße von Hormus, die gegen internationales Recht verstoßen, betreffen weltwirtschaftliche und weltpolitische Zusammenhänge, denken wir nur an vergleichbare Passagen wie Panama, Gibraltar und Bosporus.
Bildnachweis: Agentur Medienlabor (KI)