Geographische und geopolitische Leerstellen

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Asien ist ein riesiger und differenzierter geographischer Raum, der nicht nur aus den Riesen Indien und China besteht, sondern auch aus kleinen Inselnationen, die durch den Klimawandel vom Untergang bedroht sind, deren Namen wir kaum kennen.

Mit der geopolitischen Fokussierung der USA auf den sogenannten Indopazifik ist dieser große Raum und seine Geschichte für uns noch einmal unmittelbar wichtiger und gewichtiger geworden.

Verlorene Kriege sind immer Meilensteine der Geschichte.

Verlieren die USA die Kontrolle über Meerengen wie Hormus oder Bab El Mandeb, dann stellt sich die Frage, wer ein solches Vakuum füllen kann.

Gut möglich ist, dass jetzt China als Garantin des internationalen Seerechts in Erscheinung treten wird. Es hält sich zurzeit auffällig im Hintergrund und verfolgt gleichwohl wie immer konsequent und langfristig seine ambitionierte Großmachtpolitik. Die Säuberungen im Militär, die ebenfalls diesem Zweck dienen, werden kaum noch beachtet.

Der langfristige Schaden, den der Iran erleiden wird, ist gewaltig.

Deutlich wird anfangs April aber auch, dass die USA ihre Verbündeten und Vasallen in der Golfregion nicht wirklich schützen kann.

Die USA hätten sich mit den Erfolgen des 12 Tage- Krieges im Juni 2025 zufriedengeben und den Prestigeverlust des Mullah-Regimes auch gegenüber der eigenen Bevölkerung für sich sprechen lassen sollen. 

Es war genug „der Drecksarbeit“ für andere (Merz), obwohl der Erfolg in Bezug auf das Atomprogramm (Urananreicherung) zweifelhaft blieb. Wer weiß es genau? Und heute, wissen wir es besser?

Die Aura der überlegenen Macht indes wäre geblieben und der Respekt der Feinde intakt geblieben. Aber nun – mit dem Bild der zerstörten größten Brücke des Landes, die im Bau befindlich war – hat sich das Bild buchstäblich gedreht: „In die Steinzeit bombardieren, wo sie hingehören“ – der Krieg ist schmutzig und böse geworden.

Damit haben die USA die Ohnmacht ihrer Macht der ganzen Welt vor Augen geführt, wie schon einmal – in Vietnam. Die Analyse der Weltmacht USA, die sich heute zersplittert und durch Kriege an militärische Grenzen stößt, ist jetzt notwendig (siehe Patrick Zoll, NZZ, 1.4., S.15).

Gleichzeitig verletzt China seit längerem offen und massiv internationales Seerecht.
Und wie!

Aber China kann es so inszenieren, dass es damit durchkommt – bis jetzt.
Es schüttet Inseln auf, drangsaliert philippinische Fischkutter und pflegt einen feindseligen Ton gegenüber Japan, das sich dagegen rüstet. Eine alte gefährliche Feindschaft lebt wieder auf.

Dies geschieht tagtäglich, während gleichzeitig der hybride Krieg Russlands gegen die baltischen Staaten, Finnland und Polen Alltag geworden ist. Der Krieg rückt so auch für Deutschland gefährlich näher. 

Das ist das Letzte, was man sich wünscht, denn wir wissen nicht, was Krieg ist; da hat Putin ausnahmsweise recht. Wir liefern Waffen und viel Geld, meist zu wenig und nicht rechtzeitig, ansonsten sind wir Zuschauer, die an den Frieden zu unserem Glück gewöhnt sind.

Aber es gibt Zuschauer, die sehen und wahrnehmen, und es gibt viele andere, die weder sehen noch politisch urteilen können, weil sie zu wenig oder zu selektiv wahrnehmen. Und das auch noch in einem überheblich moralisierenden und die Welt belehrenden Ton.

Die moralische Weltanschauung übertrumpft die Weltwahrnehmung. Wir machen uns etwas vor.

Das hat Konsequenzen für die Politische Theorie und unser Urteilsvermögen.

Der Irankrieg demonstriert aktuell, dass der „Pivot to Asia“ nie stattgefunden hat (Obama 2011, NZZ, a. a.O.), so die starke und weltpolitisch folgenreiche These.

Die Alliierten in Asien

Der Fokus der amerikanischen Außenpolitik, auch unter Biden und Trump, blieb nach Obama auf dem Indopazifik. 

Was sich änderte, war die Wahrnehmung von CHINA: Vom Partner zum strategischen Wettbewerber zum militärischen Gegner. Siehe auch den Blog „China sprengt die Dimensionen“ vom 5. September 2025.

Jetzt führt Amerika wieder einen Krieg im Nahen Osten. Und das hat Folgen in Ostasien (a.a.O.).

Aus Südkorea und Japan werden militärische Einheiten und Kapazitäten abgezogen und an den Golf verlegt. 

Lenkwaffen und Munition werden in einem fast unglaublichen Ausmaß verschossen, so dass man für einen intensiven Konflikt mit China nicht vorbereitet wäre, so schon die berechtigte Befürchtung von General Caine vor Beginn des Irankriegs.

Die Arsenale wieder aufzufüllen, wird dauern. Selbst die amerikanischen Produktionskapazitäten sind beschränkt.

Auch die amerikanische Zivilreligion der Gewinner aus zwei Weltkriegen und gegen den Faschismus wie den Kommunismus kann zur falschen Hybris der Übertreibungen führen, die durch die ständig wachsende technologische Macht noch zusätzlich befeuert wird.

Macht berauscht sich an Macht, was in die Irre führt, letztlich in die Weltkatastrophe.

Damit gerät die militärische Abschreckung gegen China ins Wanken, was für Südkorea, Japan, die Philippinnen und Australien, die in einem potentiellen Konflikt Frontstaaten werden, bedrohlich ist und Ängste auslöst.

Der Iran-Krieg schwächt das Vertrauen in Washingtons Beistand auch hier, nicht nur in Europa.

Die asiatischen Verbündeten, die aktuellen wie die potentiellen, müssen sich entweder mit dem wichtigsten Handelspartner China, das großen Einfluss und Druckmittel hat, arrangieren oder selbst massiv in die eigene Rüstung investieren bis hin zu eigenen Atombomben (Südkorea, Japan).



Bildnachweis: IMAGO / Xinhua