Der Iran kann die Meerenge von Hormus auch ohne eigene Kriegsschiffe unpassierbar machen.
Weder die Israelis noch die Amerikaner können das verhindern. Einen massiven Geleitschutz, der robust genug für Schiffe ist, können sie bestenfalls punktuell aufbieten.
Die Druckmittel des Iran
Die Durchfahrt, welche die Weltwirtschaft in Atem hält, können sie aber nicht dauerhaft sichern. Der Iran ist militärisch nicht am Ende, er verfügt also noch über erhebliche Druckmittel.
Die Siegesnachrichten, die Tump und sein Kriegsminister Hegseth ständig und immer noch verbreiten, werden ihnen auf die Füße fallen.
Die USA sind nun in einen neuen schwierigen langwierigen Krieg im Mittleren Osten verwickelt, aus dem es keinen leichten Ausweg gibt. Schon gar nicht für die vielen Iraner im In-und Ausland, die in diesen Befreiungskrieg ihre berechtigten Hoffnungen setzen.
Israel ist das egal, es will und muss die Gunst der Stunde bzw. der USA bzw. von Trump nutzen, solange es geht. Newsome oder Vance würden das nicht tun. Es gilt den Todfeind zu schwächen, so weit wie möglich. Das ist strategisch rational.
Dass die Emirate nolens volens zur Kriegspartei geworden sind, kann ihnen nur nützen, ganz im Gegensatz zu den USA.
Die Emirate gehören schon jetzt zu den Verlierern dieses Krieges, weil der iranische Gottesstaat (modifiziert?) überleben und gewiss ein schlimmer
Nachbar bleiben wird, gerade wenn er geschwächt und angeschlagen ist.
Dass der Iran nun auch den Oman angreift, ist schon erstaunlich!
Im Oman gibt es keine US-Basen und das Sultanat hat oft als Vermittler fungiert.
Und dabei iranische Interessen vertreten, auch und gerade in den Verhandlungen in Genf in der omanischen Botschaft (siehe die Blogs vom 23. Februar und 2. März).
Auch der große Irak gerät zunehmend von zwei Seiten unter Beschuss, ebenso die Ölfelder in Saudi-Arabien.
Aber das spielt jetzt keine Rolle mehr, die Strategie des maximalen SCHADENS hat die Oberhand gewonnen im Selbstbehauptungskampf. Das ist macht- und staatstheoretisch noch viel gewichtiger und folgenreicher als die kulturkritische These von der „verwilderten Selbstbehauptung“ (Adorno), bezogen auf den unendlichen innerstaatlichen Wettlauf in konkurrierenden Leistungsgesellschaften, die wir sind (Hobbes).
Die Rationalität dieser kollektiven Selbstbehauptungsstrategie zielt dahin, die Regionalmächte so stark zu treffen, dass sie die USA zum Einstellen der Kampfhandlungen bewegen. Die Israelis wiederum werden sich davon nicht beeindrucken lassen.
Zwei Todfeinde stehen sich vielmehr gegenüber und trachten danach -unter Aufbietung aller Mittel -sich gegenseitig maximal zu schaden. Trump hat sich von Netanjahu in diesen ‚fatal richtigen‘ Krieg hineinziehen lassen. Der große Stratege ist Netanjahu.
Noch nie ist in der Knesset ein Politiker so enthusiastisch gefeiert worden wie der amerikanische Präsident mit seinen Freunden. Netanjahu hat ihn für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen. Trump wiederum hat den Staatspräsidenten Herzog um eine Begnadigung für den israelische Premier gebeten, der schon lange, keineswegs unangefochten, regiert.
Ein fataler richtiger Krieg!?
Ein unvermeidlicher jedenfalls, denn Jahrzehnte der Todfeindschaft entladen sich hier zwischen Israel und Iran.
Die unglaublich ungeheure Zündschnur wurde von der Hamas in ihrem buchstäblich unterirdischen Kampf gelegt und am 7. Oktober 2023 gezündet.
Seitdem geht eine Sprengladung nach der anderen hoch.
Der Zusammenbruch von Syrien hat die Sache vollends in Gang gebracht.
Die USA hätte sich mit dem 12-Tage-Krieg 2025 begnügen sollen.
Bis zu diesem Zeitpunkt waren die Hauptrivalen Russland und China noch in der Defensive.
Wenn sich nun die USA im Iran in einen großen Krieg verwickeln lassen, eröffnen sich für Russland und China, die den Iran unterstützen, wieder neue Chancen.
Trump versucht das Dilemma rhetorisch herunterzuspielen mit großen Worten und Erwartungen.
Das wird er nicht lange durchhalten können, schon gar nicht gegenüber der eigenen Bevölkerung.
Die Sprache der Märkte und des Militärs
Es war schon erstaunlich, dass ihm die Märkte den Spruch abgenommen haben, dass der Krieg „bald“ vorbei sein wird.
Das wird nun anders ersichtlich und dann werden die Märkte wieder reagieren.
Man sieht daran überdeutlich, welche Rolle die sogenannte Sprache der Märkte und der (militärischen) Macht spielen und welche (untergeordnete) Rolle lediglich die Politik (innen- wie außenpolitisch) und die Diplomatie ohne glaubwürdige Drohung spielen.
Wenn Außenminister Wadephul auf seiner Reise gerade davon spricht, die Straße von Hormus müsse „diplomatisch“ und nicht „militärisch“ geöffnet werden, demonstriert dies die ganze offenkundige deutsche und europäische Bedeutungslosigkeit.
Deutsche und europäische Politiker können nur reden und den moralischen Zeigefinger heben, nachdem sie jahrzehntelang gegenüber dem Iran politisch erbärmlich versagt haben.
Das ist auch eine Folge der Gewöhnung an sicherheitspolitisches Trittbrettfahren. Die Naivität im Namen des „Völkerrechts“ als Leitlinie der Außenpolitik wäre zumindest noch einmal unaufgeregt zu prüfen.
Was irgendjemand in Europa tut, spielt nicht mehr die geringste Rolle.
Selbst wenn der neue geistige Führer, Chameinis Sohn, der Rache schwört, umkommen sollte, die islamische Republik wird einen neuen Nachfolger wählen und weitermachen. Der Iran ist auf dieses Szenario vorbereitet.
Der Gottesstaat ist keine Bananenrepublik und auch nicht irgendein patrimoniales Herrschaftsgebilde, das im Grunde von wenigen Personen abhängig ist (siehe den Blog vom 1. März).
Vermutlich ist das Regime sogar stabiler als das russische.
Dort hat eine Figur wie Prigoschin genügt, um Putin an den Rand einer Katastrophe zu bringen.
Im Iran gibt es keinen Prigoschin.
Es gibt noch Ali Laridschani, oberster Sekretär des Nationalen Sicherheitsrates. Der aber ist kein Umstürzler, sondern der Joseph Fouché (1759-1820) des Iran -was der Wendehals in Frankreich war.
Mit ihm könnte verhandelt werden, sofern es dazu eine Bereitschaft seitens der USA gibt. Das wäre noch die beste Option. Die vermittelnde Türkei steht für Verhandlungen bereit.
Die beste Lösung wäre jetzt, den Krieg zu beenden und sich mit dem erzielten Ergebnis zufrieden zu geben und Containment zu betreiben.
Mithin wäre weiterhin ein neuer „kalter Krieg“ zu führen, bis das Regime unter innerem Druck kollabiert wie damals die Sowjetunion. 1989 war nicht das Ende der Geschichte, sondern deren Neubeginn. Mehr scheint nicht möglich. Natürlich lässt sich dies von Außen unterstützen, wenn es auch schwer einzuschätzen ist.
Die Sittenpolizei ist zu schwach geworden, um das Hijab-Gebot in Teheran noch durchsetzen zu können, und das ist nur die Spitze des sichtbaren Eisbergs. Darunter kumulieren sich weitere Schwächen. Irgendwann wird das autoritäre System die Gesellschaft, die durchschnittlich hoch gebildet ist und nach Freiheit strebt, nicht mehr kontrollieren können.
Folgewirkungen des Krieges
Der Iran kann mit seinen 6000 Seeminen die Straße von Hormus blockieren, was ein Albtraum für die Weltwirtschaft wäre, die schon seit TAGEN Tag für Tag nervös fragt, wie lange dieser Krieg noch dauert.
Amerikanisches Militär bombardiert iranische Minenlegerboote, die Iraner wiederum greifen amerikanische Schiffe an.
Es wird einen weltweiten Konjunktureinbruch geben, was dann immerhin die „Dekarbonisierung“ der Wirtschaft fördern wird.
Lieferkettenstörungen werden die Preise treiben.
Dies wird seinerseits die Inflation fördern, auch in den USA, die puncto Energie immerhin Selbstversorger sind.
Die Verschuldung wird in Europa noch weiter ansteigen, ausgehend von einem ohnehin schon hohen Niveau. Die politische Diskussion um die Schuldenbremse, Steuererhöhungen und Energiepolitik wird sich innenpolitisch intensivieren.
Laut dem britischen Sender Sky News hat das iranische Militär angekündigt, nicht mehr nur Gegenschläge auszuführen, sondern dauerhaft anzugreifen. Zudem droht das Mullah-Regime den USA erneut, dass sie den Ölpreis nicht kontrollieren können: Man werde den Ölpreis auf 200 US-Dollar pro Barrel hochtreiben, lautet die Drohung.
Das sind geopolitische KRISENLAGEN, zu denen die herkömmlichen Krisentheorien nichts zu sagen haben.
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