Die Straße von Trump

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Bei einem Kongress in Miami hat US- Präsident Trump die Straße von Hormus „Straße von Trump“ genannt: „Wir müssen die Straße von Trump öffnen – ich meine Hormus“.

Daraufhin Gelächter im Publikum (Die Zeit, 28. März).
Echt lustig und echt Trump!!!

In der Straße von Hormus entscheidet sich der Irankrieg.
Zurzeit ist sie die wichtigste und gefährlichste Meerenge der Welt.

Durch sie gelangt zwischen dem Persischen Golf und dem Arabischen Meer Erdöl und Erdgas der Golfstaaten auf den Weltmarkt.

Asymmetrische Kriegsführung

Die Sperrung der Enge ist die gefürchtetste Waffe der Revolutionsgarden, für die sie bestens vorbereitet sind und mit der sie immer gedroht haben, schon während der Verhandlungen in Genf über das Atomprogramm.

„Wir haben uns mit der Strategie der asymmetrischen Kriegsführung seit Jahren auf diesen Moment vorbereitet „, so der ehemalige Admiral und Militärberater des obersten Revolutionsführers Ahmadian (NZZ, 27. März).

„Kommt näher“, man erwartet mit stolzem Trotz die amerikanischen Bodentruppen und werde sie „bestrafen“ (Ghalibaf) Das sind 2000 Fallschirmjäger und 5000 Marineinfanteristen, die unterwegs sind.

Der verbale Krieg ist schon jetzt nicht mehr zu überbieten.

Trump scheint immer noch auf ein Venezuela-Szenario im Iran zu hoffen. Iran ist indes ein ganz anderes Kaliber. Den Einsatzbefehl hat er noch nicht gegeben.

Die Revolutionswächter verfügen über eine eigene Marine und spezielle Waffen und schwieriges Gelände für diesen Fall.

Washington bereitet sich auf wochenlange Einsätze von Bodentruppen vor, laut ‚Washington Post‘.
Der Erfolg ist alles andere als garantiert, unwillkürlich steigen Erinnerungen auf an das blutige Inselhüpfen vor Japan, mit dem sich die Marines einen Namen gemacht haben.

Die Insel Kharg ist zwar schon schwer bombardiert worden, muss aber noch mit
Bodentruppen eingenommen werden. Das wird eine Herkulesaufgabe im ’norwegischen Arabien‘.

Das amphibische Angriffsschiff „USS Tripoli“ ist inzwischen in der Golfregion angekommen (ntv, 29.3.).

Zwischen Krieg und Verhandlungen – einmal mehr.

Trump bietet den Iranern eine 30-tägige Waffenruhe zusammen mit einem 5-Punkte-Plan an (siehe NZZ, 27. März, S.1). Darin stehen folgende unmissverständliche Forderungen:

– Keine Urananreicherung;
– 440 Kilo des hochangereicherten Urans ist an die IAEA zu übergeben;
– die Finanzierung ausländischer Milizen ist zu unterlassen;
– Anzahl und Reichweite der Raketen sind einzuschränken.

Der Iran dürfte jetzt noch weniger als vor dem Krieg bereit sein, darauf einzugehen. Seine Verhandlungsposition ist nun noch stärker geworden durch die tatsächliche selektive Schließung und Kontrolle der Straße von Hormus.

Zudem lassen es Zeit und Abstimmung mit Israel kaum zu, zu verbindlichen Vereinbarungen zu kommen.

Außerdem greifen die Huthi-Milizen im Jemen wieder an der Seite des Iran in den Krieg ein und bedrohen die Schifffahrt im Roten Meer.

Israel befürchtet einen schnellen Waffenstillstand und vage Vereinbarungen.

Die Iraner wiederum wünschen sich den Vizepräsidenten Vance, den Kronprinzen von König Trump, als Verhandlungsführer, der sich schon in der Vergangenheit gegen einen Krieg mit dem Iran ausgesprochen hat.

Dazu kommt der unterschwellige Verdacht genauso wie im verbissenen Ukrainekrieg, die Waffenpause könnte vom Gegner militärisch ausgenutzt werden. Misstrauen und Unversöhnlichkeit könnten bei diesen schwierigen Feinden (aus Erfahrung muss man sagen) nicht größer sein.

Kompromiss ist in solchen Konstellationen keine Leitkategorie, obwohl beide Seiten mit erheblichen Schäden, die voraussehbar sind, den Krieg werden beenden müssen. Wie Kriege ausgehen, weiß man meistens nicht, eine bedingungslose Kapitulation wie 1945 ist historisch höchst selten.

Die Iraner stellen eigene Bedingungen, während sich der Krieg weiter täglich gefährlich ausweitet. So wird auch der große Irak mit seinen komplizierten Machtverhältnissen und seiner instabilen Regierung Sudani immer mehr in den Irankrieg hineingezogen. Alte Wunden reißen wieder auf im multikonfessionellen Staat.

Insbesondere die Kurden im Nordirak sind einmal mehr Opfer zwischen ihren alltäglichen Sorgen um Autonomie und dem Krieg im Iran. Sie zahlten schon den Preis für den Kampf gegen den Islamischen Staat, der dem Westen den Krieg erklärt hat.

Die Kurden sind in einer vielfältigen Allianz kampfbereit, fordern allerdings amerikanischen Schutz. Auctoritas non veritas facit legem: Das Fazit für den Irak wie für Kurdistan fällt sehr bitter aus.

Russland und Ukraine

Auch der Krieg zwischen Russland und der Ukraine weitet sich aus, geographisch wie in seiner Intensität. Russland hat kürzlich 1000 Drohnen innerhalb 24 Stunden gegen die Ukraine abgeschossen, so viele wie seit Kriegsbeginn nicht!

Die Ukraine greift russischen Ölexporthafen an der Ostsee an (19.3.).

Nach der Schlammperiode beginnt die Offensive gegen den ukrainischen Festungsgürtel im Donbass mit seinen Verteidigungsanlagen, Panzerwällen und Minenfeldern. Das Bild vor Saporischja sagt alles.

Es ist weiterhin für die Infanteristen ein zermürbender Stellungskrieg in einer Patt-Situation, der noch lange dauern kann, solange Soldaten und Geld nicht ausgehen. Zynischer kann es nicht formuliert werden.

Beide Seiten hoffen wohl auf die innenpolitische Implosion der Gegenseite. Ein andere Perspektive existiert nicht.

Die trilateralen Verhandlungen sind wegen des Irankrieges auf unbestimmte Zeit verschoben. Selenski hat zurecht “ ein ungutes Gefühl“.

Russland ist zu keinen Konzessionen bereit, stattdessen wächst der Druck auf Selenski.

Außenminister Rubio bezichtigt ihn der Lüge, wenn er behauptet, die Amerikaner würden ihre Sicherheitszusagen an die Abtretung von Gebieten knüpfen.

Die Ukrainer versuchen ihr Know-how im Drohnenkrieg in Saudi-Arabien, Katar, den Vereinigten Emiraten und im Libanon zu Geld zu machen. Russland der Feind und Konkurrent in der Technologie wiederum war der Schüler des Iran und liefert jetzt seinerseits verbesserte iranische Drohnen an den Iran im Krieg gegen die Golfstaaten.

Der Ernstfall rückt näher

Für das Bundeswehrkommando in Potsdam rückt derweil der Ernstfall näher (Welt TV, 29. März). Mit einem Angriff aus Russland wird bis 2029 gerechnet. Darauf bereitet man sich vor und sieht sowohl die Zeit wie die noch bestehenden Defizite kritisch.

Weil sich die Kriegsführung ständig ändert, bereitet man sich auf verschiedene Szenarien vor. Um glaubwürdig abschrecken zu können, muss man daran glauben.

Einen „Fight to night“ glaubt man auch ohne amerikanische Hilfe bestehen zu können.

„Es darf allerdings nicht zu lange diskutiert werden, bis entschieden wird“.


Bildnachweis/Foto: U.S. Navy / Wikimedia Commons (Public Domain)